Wer das Fernsehen einschaltet und zwischen den Sendern hin und her zappt, findet immer häufiger Reality-Shows. Das hat gute Gründe. Vor allem die jungen Zuschauer lieben diese Formate und die jungen Nutzer gelten als die wichtigste Gruppe der Fernsehsender. Auf der anderen Seite ist die Produktion dieser Shows besonders günstig. Es werden keine Schauspieler im eigentlichen Sinne benötigt. Die Gagen sind somit gering, die weiteren Produktionskosten sehr übersichtlich und damit das Risiko für die Fernsehsender sehr überschaubar.

Angefangen hat dabei alles mit dem Reality TV Format Big Brother. Dachten wir bei Beginn noch, wie schrecklich, lassen sich heute davon Millionen von Zuschauern faszinieren. Dabei ist es sogar völlig egal, wie schlecht die Qualität ist. Bei einer Reality Show geht es um die Lust des Beobachtens. Wir werden heimlich zum Spanner und genießen diese kleinen Momente so sehr, dass wir immer wieder einschalten.

Reality TV schaue ich nicht!

Dennoch hat Reality TV einen recht schlechten Ruf. Viele sehen es, lassen sich davon begeistern, werden sie jedoch befragt, ob sie die Shows gesehen haben, lautet die Antwort meistens: Schaue ich nicht! Die Scham spielt dabei anscheinend auch eine starke Rolle, dass wir unserer Umwelt gegenüber gerne die Vorliebe verheimlichen.

Als es 2000 mit Big Brother begann war dieses Format zudem besonders spannend. Es war nicht unbedingt neu, aber die Art und Weise der Darstellungen waren ungewohnt zur damaligen Zeit. Es gab keine Intimität, die Mitwirkenden kannten keine Peinlichkeit und ließen jede Erniedrigung über sich ergehen. Das Publikum ergötzte sich daran. Heute gehört das Reality TV zum normalen Bild im Fernsehprogramm und ist bereits am frühen Morgen auf einigen Sendern zu sehen. Rund um diese Shows werden ganze weitere Produktionen und Vermarktungen aufgebaut. Einige der Reality-Stars bringen Musik-CDs auf den Markt, Figuren werden verkauft und wieder andere Sendungen bringen zum Beispiel die Top 10 Reality-Show Momente. Diese Formate werden professionell vermarktet und die Produktion ist günstiger als eine hochwertige Show.

Wir lieben Voyeurismus

Die sozialen Experimente, die wir täglich, meistens in schlechter Qualität geliefert bekommen, bieten uns puren Voyeurismus. Der Vorteil liegt vor allem darin, dass wir uns völlig anonym dem Spannen hingeben können, ohne das es uns peinlich ist. Am Strand hingegen beobachten wir gerne andere Menschen, spüren aber diese Peinlichkeit, wenn wir dabei erwischt werden. Am Fernseher hingegen verlischt dieses Gefühl.

Aber nicht nur im TV sehen wir sie. Die meisten Menschen leben die Reality TV auch selbst im eigenen Leben. Oft über die Sozialen Netzwerke, wo sie alles von sich in jeder Kleinigkeit mit Fotos posten. Während in Deutschland Formate wie Big Brother und Dschungelcamp besonders beliebt sind bzw. waren, ist es die The Osbournes Show in den USA. Ebenso wie die Kardashians, die in den Staaten unglaublich gefragt sind.

Wie echt sind die Reality TV Shows?

Kein Fernsehsender will sich eine Blamage leisten. So wird zu jeder Reality Show auch ein Drehbuch erstellt. Natürlich haben die Darsteller gewisse Freiheiten. Die meisten Skandale oder Aufreger sind jedoch inszeniert und standen zuvor in einem Drehbuch. Eigentlich sind Reality Shows nur Scripted-Reality (siehe Richterin Barbara Salesch oder Berlin- Tag & Nacht). Es gibt also immer einen festen Plan, wie der Verlauf sein soll. Je nach Format gibt es unterschiedliche Freiheiten für die Darsteller.

Dennoch lieben wir diese Format, können wir uns doch mit anderen Menschen einfacher vergleichen – am liebsten eine Stufe nach unten, um uns besser zu fühlen.

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